Eine große Entschuldigung an
alle, die meinen Blog lesen und so lange auf einen neuen Eintrag warten
mussten. Sagen wir mal – ich war in Winterstarre J
Allerdings hat sich der Winter am Kap als gar nicht so kalt, unerbittlich und
regnerisch herausgestellt wie angekündigt und befürchtet. Es war zwar angeblich
der kälteste Winter seit 10 Jahren (typisch – genauso wie es der heißeste
Sommer seit 50 Jahren war in dem Monat, in dem einen Freundin und ich vor 2
Jahren nach Israel gefahren sind…), aber auf einmal ist er vorbei und man
erinnert sich an Cape Town im Sommer: Wochenenden am Strand, Flip Flops und
kurze Kleider, Straßenhändler, die „sakkas“ („suckers“ – Eislollies) verkaufen für
5 cent das Stück verkaufen, und natürlich amerikanische Touristen (obwohl die,
wenn ich es mir genau überlege, nicht mal im Winter eine Hot-Pants-Pause
eingelegt haben). Bei Hillsong bedeutet das: Erleichterte australische Pastoren
auf der Bühne, die Dankgebete sprechen und sich in ihrer Berufung in dieses
Land auf einmal wieder bestätigt fühlen...
Kurz: Winter in Südafrika ist ein
Kampf, der gemeinsam gefochten wird und dessen Ende auch gemeinsam gefeiert
wird. Der „National Braai Day“ (ja, es gibt hier einen Nationalfeiertag zum
Grillen!) rückt näher, überall werden Freudenfeuer entfacht und die Restaurants
können endlich ihre schlechten „Gluhwein“-Imitate durch das ersetzen, was sie können:
Cocktails, Eiskaffee und, nun ja, das Nationalgetränk „stoneys“ (Ingwerbier
ohne Alkohol).
Wir wachen also auf zu einer
weiteren Sonnensaison, wachen auf zu dem Cape Town, das alle so lieben. Wir
wachen aber auch immer noch auf zu dem Land, das es vor dem Winter war, wir
sehen immer noch die Zahlen in den Nachrichten, überlesen inzwischen vielleicht
die täglichen Meldungen von „crime report“, überhören vielleicht eine weitere
traurige Geschichte, die uns erzählt wird, und Marikana und das Drama an der Mine
im Nordosten von Südafrika sind sehr weit weg hier am Kap.
Zeit, zur Realität aufzuwachen,
ohne sich schlecht zu fühlen, Zeit um zu realisieren: In diesem Land ist
einfach noch viel zu tun, Palmenhintergrund hin oder her. 77.000 Abtreibungen
werden jedes Jahr offiziell in Südafrika vorgenommen – die inoffizielle Zahl
geht wahrscheinlich ins Doppelte. Das sind mindestens 420 Abtreibungen am Tag. Offizielle
25 Menschen versuchen sich täglich das Leben zu nehmen. Es gibt Provinzen, in
denen jeden Tag 11 Menschen ermordet werden. 16.000 Schüler in der Provinz
Limpopo können zur Zeit nicht zu Schule gehen, da die Lieferanten des
Schulmaterials sich weigern, die Gegend zu beliefern – es sei ihnen zu
gefährlich. Die Schulen werden einfach geschlossen.
Als Südafrikaner hört man vielleicht irgendwann
auf, Nachrichten zu lesen und zu hören, um sich schlaflose Nächte und ein
schlechtes Gewissen zu ersparen. Meine Schlussfolgerung für den kommenden
Sommer allerdings ist: Es reicht nicht, realistisch zu sein. Oder, wie es sich die Hillsong
Africa Foundation auf die Fahnen geschrieben hat: „We cannot do everything. But
we HAVE to do something.“
At the end of the chicken soup there is always a bowl to clean! Heißt so viel wie: Kräfte sammeln ist gut - sie dann für etwas einzusetzen, ist besser.
In diesem Sinne: Auf einen
produktiven Sommer!
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