Nachdem ich mich damit abgefunden habe, dass hier am Kap wohl keine Weihnachtsstimmung bei mir Einzug halten wird, habe ich beschlossen, dem ganzen Bling-Bling-Trubel zu entfliehen (mir war nicht klar, dass in so vielen Laendern die Verwendung von bunten und blinkenen Glitzerlichtern eine elementare Rolle in der Weihnachtszeit spielt!). Morgen frueh werde ich zusammen mit einer kolumbianischen Freundin den Bus nach Port Elizabeth nehmen und dort bis Sonntag in einem hostel bleiben. Weihnachten feiern wir deutsch-kolumbianisch am 24.12., sehr zur Belustigung der Suedafrikaner. Den 25.12. werden wir dann wieder im Bus nach Durban verbringen, wo wir noch einmal fuer ein paar Tage abtauchen werden. Wo ich Silvester feiere, weiss nicht noch nicht, was mich aber auch nicht weiter stoert. Dem grossen Rummel in Cape Town bin ich auf jeden Fall dann erstmal entronnen!
Meine letzten Tage habe ich mit brasilianischen und italienischen Mitreisenden ganz klassisch am Strand oder in der Stadt verbracht. Leider kann ich noch keine Fotos beifuegen, weil ich erfahrungsgemaess die suedafrikanischen Computer lieber mit Vorsicht geniesse. Das hole ich aber bald nach!
Meine groesste Sorge den Jahrewechsel betreffend ist im Moment eigentlich nur, wo ich danach wohnen werde. Ich bin immer noch gemeinsam mit Emma auf der Suche nach der besten Option fuer eine Unterkunft und fuer Mitbewohner. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich ueber Kontakte noch etwas ergeben wird. Sowieso sind Beziehungen hier das Schmieroel fuer das taegliche Leben. Die Menschen sind unglaublich offen und warmherzig. Das tut sehr gut! Mal sehen, wie sich diese Mentalitaet bewaehrt, wenn es um ernsthaftere Dinge und intensive Freundschaften geht.
Auf jeden Fall bin ich gespannt auf mein zweites Weihnachten hier in Suedafrika. Ich wuensche mir, dass es auch stille Moment und ruhige Stunden beinhaltet und ich Zeit finde, um mich an das zu erinnern, was sich hinter all den Parties, der lauten Musik, dem Bling-Bling und den Weihnachtsspecials verbirgt: Naemlich ein wirkliches Weihnachtsspecial, das uns nicht die Haende leert (was man nach einem teuren Weihnachtseinkauf ja schnell mal denken kann), sondern die Haende fuellen will. Mal sehen, was ein ungeplantes Weihnachten on the road so fuer Ueberraschungen birgt! Ich wunesche Euch allen auf jeden Fall besondere Weihnachten - ob weiss oder nicht!
Welcome! Welkom! Ulwamkelo! Schön, dass Du auf meinem Blog vorbeischaust. Hier erfährst Du mehr über meine Zeit in Kapstadt/Südafrika, meine Arbeit im Township Khayelitsha und über die NGO "Real Youth International", für die ich 2012 arbeitete, und über das, was ich aktuell mache. Ich freue mich über Deinen Besuch. Sieh Dich um und hinterlasse gern eine eigene Spur!
Mittwoch, 21. Dezember 2011
Sonntag, 18. Dezember 2011
Dèja-Vu
In diesen Tagen erlebe ich viele Situationen und sehe viele Dinge und Menschen, die mir unglaublich bekannt vorkommen - 4 Jahre sind vergangen, und es ist so gut zu wissen, dass sich manche Dinge nicht geändert haben. Nach ein paar aufregenden Tagen in der Innenstadt von Cape Town, in der sich seit der Fussballweltmeisterschaft 2010 viel getan hat (manche Straßenecken sind mir komplett unbekannt, manche Viertel wurden umstrukturiert, ein wunderschöner lokaler Markt musste für eine moderne Fußgängerpassage weichen...), hatte ich gestern zum ersten Mal wieder die Gelegenheit, vertraute Luft zu schnuppern:
Nachdem ich mit Freunden aus dem hostel sichergestellt habe, dass mein Lieblingspark in Cape Town immer noch die beste Ausicht auf den Table Mountain hat, habe ich meine langjährige und enge Freundin Moe samt ihrer kleinen Familie getroffen, die sich gerade für einen Besuch in Cape Town aufhält. Es war unglaublich schön, an alte Erinnerungen anzuknüpfen und mal wieder "face to face" zu reden - und das alles hier, in der Stadt, in der wir 2007 6 unvergessliche Monate miteinander verbracht haben!
Um das Dèja-Vu zu vervollständigen, bestieg ich nachmittags mit Freunden den Table Mountain, der übrigens seit ein paar Wochen offiziell eines der 7 neuen Welt-Naturwunder ist. Der Aufstieg ist immer noch so anstrengend, aber die Gesellschaft war motivierend, und der Ausblick immer noch gigantisch. Wir zwangen die männlichen Freunde, bis zum Sonnenuntergang zu warten, und sahen, wie sie Sonne über dem Atlantik unterging und die reichen Vororte von Cape Town ihrer Partynacht entgegenfeierten.
Meine Freundin und zukünftige Kollegin Emma nahm mich mit auf einen Trip durch das Township, in dem ich unter anderem arbeiten werde. In Khayelitsha leben offiziell 400.000 Menschen, was lächerlich ist, da es sich zwar inoffiziell, aber sehr offensichtlich um mindestens 1,6 Millionen Menschen handelt. Die Regierung hält die offiziellen Angaben absichtlich so gering, um zu rechtfertigen, dass sie die Infrastuktur nur mit lächerlichen Ausgaben füttert und längst nicht so viel Geld und Aufwand in dieses zweitgrößte Township Südafrikas steckt wie in andere kleinere, z.B. Langa und Nyanga. In manchen Gegenden ist die Arbeitslosenrate bei 80 Prozent, die Hauptprobleme der Bevölkerung hier sind Kriminalität und HIV/Aids. Über 50 Prozent der Bevölkerung gelten als Kinder und Jugendliche. Die Zahlen die Bildung betreffend sind erschreckend, die "Drop out-Quote", also die Kinder, die aus dem Schulsystem fallen wegen mangelnder Leistung, Abwesenheit, Kriminalität etc., ist horrend.
Für mich ist die Arbeit in einem schwarzen Townshop neu. Vor vier Jahren arbeitete ich in einem farbigen Township, Mitchell's Plain, wo die Hauptprobleme bei der Drogenkriminalität, dem Drogenmissbrauch und der Bandenkriminalität (Gangsterism) liegen. Unsere Arbeit wird sich zwar auch auf Mitchell's Plain erstrecken, was für mich eine gute Nachricht ist, aber vor allem Khyaelitsha im Fokus haben.
Nach einem Besuch an diesem Ort hatte ich das Bedürfnis, all die Touristen in Cape Town und die reichen weißen Südafrikaner, die so gern gefähliche Geschichten von Orten erzählen, an denen sie noch nie gewesen sind, zu fragen: Dèja vu? Schon gesehen? Das hier ist übrigens auch Euer Cape Town.
Am Nachmittag gingen wir nach Mitchell's Plain und gerieten in den Einkaufsrummel der festive season, die alljährlich jeden Südafrikaner erfasst. Alles fühlte sich sehr vertraut an, und ich war ganz erstaunt, wie ich jede Straßenecke meiner ehemaligen Heimat wiedererkannte und problemlos die richtigen Taxis fand. Als einzige Weiße zwischen Millionen von Farbigen (die in Südafrika eine Minderheit darstellen und sich ethnisch von den Schwarzen abheben - die Farbigen sind die Mischlingsschicht, die während der Apartheid aber den gleichen Gesetzen unterlag wie die Schwarzen) fühlte ich mich erstaunlich sicher. Ich habe gemerkt, dass das MEIN Cape Town ist - nicht die Long Street mit ihren Clubs, nicht die Waterfront mit ihren teuren Läden, auch nicht Kirstenbosch Botanical Garden oder Hout Bay, wo man mit Geld und in weißer Gesellschaft faule kostspielige Sonntage verbringen kann. Dèja vu - willkommen in der Wirklichkeit der Menschen, die diese Stadt nicht bereisen oder erleben, sondern hier überleben.
Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber für heute genug. Ich werde versuchen, Bilder zu posten, aber die Hochladen von Fotos dauert hier im WLAN ewig. Bis zum nächsten Mal!
Nachdem ich mit Freunden aus dem hostel sichergestellt habe, dass mein Lieblingspark in Cape Town immer noch die beste Ausicht auf den Table Mountain hat, habe ich meine langjährige und enge Freundin Moe samt ihrer kleinen Familie getroffen, die sich gerade für einen Besuch in Cape Town aufhält. Es war unglaublich schön, an alte Erinnerungen anzuknüpfen und mal wieder "face to face" zu reden - und das alles hier, in der Stadt, in der wir 2007 6 unvergessliche Monate miteinander verbracht haben!
Um das Dèja-Vu zu vervollständigen, bestieg ich nachmittags mit Freunden den Table Mountain, der übrigens seit ein paar Wochen offiziell eines der 7 neuen Welt-Naturwunder ist. Der Aufstieg ist immer noch so anstrengend, aber die Gesellschaft war motivierend, und der Ausblick immer noch gigantisch. Wir zwangen die männlichen Freunde, bis zum Sonnenuntergang zu warten, und sahen, wie sie Sonne über dem Atlantik unterging und die reichen Vororte von Cape Town ihrer Partynacht entgegenfeierten.
Meine Freundin und zukünftige Kollegin Emma nahm mich mit auf einen Trip durch das Township, in dem ich unter anderem arbeiten werde. In Khayelitsha leben offiziell 400.000 Menschen, was lächerlich ist, da es sich zwar inoffiziell, aber sehr offensichtlich um mindestens 1,6 Millionen Menschen handelt. Die Regierung hält die offiziellen Angaben absichtlich so gering, um zu rechtfertigen, dass sie die Infrastuktur nur mit lächerlichen Ausgaben füttert und längst nicht so viel Geld und Aufwand in dieses zweitgrößte Township Südafrikas steckt wie in andere kleinere, z.B. Langa und Nyanga. In manchen Gegenden ist die Arbeitslosenrate bei 80 Prozent, die Hauptprobleme der Bevölkerung hier sind Kriminalität und HIV/Aids. Über 50 Prozent der Bevölkerung gelten als Kinder und Jugendliche. Die Zahlen die Bildung betreffend sind erschreckend, die "Drop out-Quote", also die Kinder, die aus dem Schulsystem fallen wegen mangelnder Leistung, Abwesenheit, Kriminalität etc., ist horrend.
Für mich ist die Arbeit in einem schwarzen Townshop neu. Vor vier Jahren arbeitete ich in einem farbigen Township, Mitchell's Plain, wo die Hauptprobleme bei der Drogenkriminalität, dem Drogenmissbrauch und der Bandenkriminalität (Gangsterism) liegen. Unsere Arbeit wird sich zwar auch auf Mitchell's Plain erstrecken, was für mich eine gute Nachricht ist, aber vor allem Khyaelitsha im Fokus haben.
Nach einem Besuch an diesem Ort hatte ich das Bedürfnis, all die Touristen in Cape Town und die reichen weißen Südafrikaner, die so gern gefähliche Geschichten von Orten erzählen, an denen sie noch nie gewesen sind, zu fragen: Dèja vu? Schon gesehen? Das hier ist übrigens auch Euer Cape Town.
Am Nachmittag gingen wir nach Mitchell's Plain und gerieten in den Einkaufsrummel der festive season, die alljährlich jeden Südafrikaner erfasst. Alles fühlte sich sehr vertraut an, und ich war ganz erstaunt, wie ich jede Straßenecke meiner ehemaligen Heimat wiedererkannte und problemlos die richtigen Taxis fand. Als einzige Weiße zwischen Millionen von Farbigen (die in Südafrika eine Minderheit darstellen und sich ethnisch von den Schwarzen abheben - die Farbigen sind die Mischlingsschicht, die während der Apartheid aber den gleichen Gesetzen unterlag wie die Schwarzen) fühlte ich mich erstaunlich sicher. Ich habe gemerkt, dass das MEIN Cape Town ist - nicht die Long Street mit ihren Clubs, nicht die Waterfront mit ihren teuren Läden, auch nicht Kirstenbosch Botanical Garden oder Hout Bay, wo man mit Geld und in weißer Gesellschaft faule kostspielige Sonntage verbringen kann. Dèja vu - willkommen in der Wirklichkeit der Menschen, die diese Stadt nicht bereisen oder erleben, sondern hier überleben.
Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber für heute genug. Ich werde versuchen, Bilder zu posten, aber die Hochladen von Fotos dauert hier im WLAN ewig. Bis zum nächsten Mal!
Donnerstag, 15. Dezember 2011
Es geht los!
Seit gestern Morgen bin ich nun also in Cape Town, Südafrika - 4 Jahre nach meinem Praxissemester in Kapstadt bin ich nun wirklich zurück auf afrikanischem Boden. Empfangen wurde ich im strömenden Regen - ein typisch unberechenbarer Tag für diese Stadt. Zum Glück wurde ich vom Flughafen von meiner zukünftigen Kollegin Emma Horan abgeholt und zu einem hostel in der Innenstadt gebracht. Hier werde ich die ersten Tage verbringen, um anzukommen, ein wenig Tourist zu spielen und die ersten Kontakte wieder aufleben zu lassen. Vor allem bin ich jetzt gerade mit zwei Mädels unterwegs (eine aus Kolumbien, die andere aus Japan), und erkunde die mir bisher relativ unbekannten touristischen Ziele dieser Stadt. Es fühlt sich komisch an, Sightseeing in einer Stadt zu machen, in der man mal gelebt hat und nun wieder zu Hause sein soll... Und birgt mir bisher ganz unbekannte Risiken: Ein Besuch auf Robben Island, der Insel, auf der Nelson Mandela gefangen gehalten worden war, scheiterte an dem stolzen Eintrittspreis, den wir spontan nicht zahlen wollten. Unsere aktuelle Herausforderung: Low-Budget-Tourism in einer Stadt, die anscheinend die Fußballweltmeisterschaft 2010 als Anlass nah, um die Preise ordentlich zu pumpen.
Wenigstens hat sich heute wieder die Sonne eingestellt. Einen ersten weihnachtlichen Eindruck vom Ende der Welt kommt morgen- jetzt, am Abend, ist das WLAN im hostel so busy, dass das Hochladen Jahre dauern würde!
Bevor es also im Januar los geht mit meiner Tätigkeit bei Kahutando (oder Real Youth International, wie die NGO schon bald heißen wird), werde ich noch etwas reisen und vor allem morgen meine Freundin Moe treffen, die ich drei Jahre lang nicht mehr gesehen habe.
Was soll ich sagen - Cape Town empfängt einen immer mit offenen Armen. Die Vielzahl von Kontakten - alten und neuen - und die Herzlichkeit der Leute zeigen mir neu, was ich so vermisst habe an diesem Land. Schon jetzt habe ich unendlich viele Telefonnummern von netten und hilfsbereiten Leuten in meinem Handy, und so viele Aktivitäten mit anderen geplant, dass es langsam schon fast wieder stressig wird...
Ich bin sehr gespannt, was die nächste Zeit bringt und vor allem, wo ich ab Janaur leben werde. Es gibt verschiedene Optionenm und unter den Aspekten von Kosten und Sicherheit werde ich diese in den nächsten Tagen genauer betrachten.
Ich freue mich über E-Mails oder Nachrichten von Facebook bei Euch. Wer meine südafrikanische Handynummer haben möchte, kann sich gern melden: kornelia.bernick@gmx.de
Bis bald!
Wenigstens hat sich heute wieder die Sonne eingestellt. Einen ersten weihnachtlichen Eindruck vom Ende der Welt kommt morgen- jetzt, am Abend, ist das WLAN im hostel so busy, dass das Hochladen Jahre dauern würde!
Bevor es also im Januar los geht mit meiner Tätigkeit bei Kahutando (oder Real Youth International, wie die NGO schon bald heißen wird), werde ich noch etwas reisen und vor allem morgen meine Freundin Moe treffen, die ich drei Jahre lang nicht mehr gesehen habe.
Was soll ich sagen - Cape Town empfängt einen immer mit offenen Armen. Die Vielzahl von Kontakten - alten und neuen - und die Herzlichkeit der Leute zeigen mir neu, was ich so vermisst habe an diesem Land. Schon jetzt habe ich unendlich viele Telefonnummern von netten und hilfsbereiten Leuten in meinem Handy, und so viele Aktivitäten mit anderen geplant, dass es langsam schon fast wieder stressig wird...
Ich bin sehr gespannt, was die nächste Zeit bringt und vor allem, wo ich ab Janaur leben werde. Es gibt verschiedene Optionenm und unter den Aspekten von Kosten und Sicherheit werde ich diese in den nächsten Tagen genauer betrachten.
Ich freue mich über E-Mails oder Nachrichten von Facebook bei Euch. Wer meine südafrikanische Handynummer haben möchte, kann sich gern melden: kornelia.bernick@gmx.de
Bis bald!
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