Samstag, 9. Februar 2013

Chicken Love


„Ich versuche gerade, mich gesund zu ernähren!“ , sagte meine Freundin auf die Frage, warum sie eine vegetarische Pizza bestellt habe (in Südafrika hat man in diesem Fall allen Grund zu der Annahme, dass etwas nicht in Ordnung ist). Ich schaute auf die von Käse, Öl und Avocados triefende Pizza und beließ es bei einem stummen Fragezeichen auf meinem Gesicht.

„Jenna  isst es nur heiß, das Hühnchen!“ erklärte mein Mitbewohner, als er voller Liebe ein halbes Hühnchen inklusive Knochen in die Mikrowelle steckte und danach auf einem Teller anrichtete. „Ohne ihr tägliches Hühnchen ist sie nicht dieselbe!“ Jenna ist eine 5-jährige Mischlingshündin, die mit uns im Haus wohnt.

„Sie mag einfach kein Gemüse!“ behauptet meine 25-jährige Freundin, als ihre 2-jährige Tochter selbstbewusst nach den Rippchen und dem Hühnerbein griff und vergnügt für die nächste Stunde mehr oder weniger zahnlose darauf herum kaute.

„Es ist rund und weich! Das reicht!“ erklärten die Camp Leiter beim Jugend-Sommercamp von Hillsong beim traditionellen Fußballspiel der beiden Clans gegeneinander. Natürlich haben sie mit voller Absicht ein ganzes gerupftes Hühnchen als Fußball ausgesucht. Was nach dem Spiel davon übrig ließ, kann man dann wohl als Geschnetzeltes bezeichnen.

Aber in einem Land, in dem Zuckerlimonade als „flavoured WATER“ bezeichnet wird und ein Sandwich, das aus braunem statt weißem Toastbrot besteht, als „health bread“, wundert mich eigentlich nichts mehr.

Doch, eines hat mich dann doch gewundert: Auf einer Schifffahrt durch den Hafen erläuterte der Kommentator gewissenhaft, dass es sich bei dem rot-weißen Gebäude auf der rechten Seite nicht um die KFC-Zentrale handelt, sondern um einen Leuchtturm.

Montag, 14. Januar 2013

Stille stille Nacht...



Wer sich in den vergangenen Wochen gefragt hat, ob meine Posts irgendwo im www hängen geblieben sind: Die (ungeplante) Abwesenheit meiner literarischen Beiträge vom anderen Ende der Welt sind eigentlich das beste Beispiel dafür, was in diesem Land in der „festive season“ passiert.
Ist der Sommer erst einmal richtig da (und er kam spät 2012, erst im Dezember so richtig), kennt keiner mehr ein Halten. Wer nicht nach Hause ins Eastern Cape/Durban/Johannesburg fährt, um Familienfest im sagen wir mal größeren Rahmen zu feiern, ist entweder nicht aus Südafrika oder aber ein Opfer des Kapitalismus und muss an Weihnachten arbeiten. 

Bei mir traf beides zu, dennoch hatte ich das Glück, die Weihnachts- und Neujahrszeit mit meinen engsten Freunden hier verbringen zu können. Ich war also irgendwie auch „abwesend“ und habe mich mit treiben lassen – an den Strand, zum Grillen, an den Strand, zum Wandern, an den Strand…
Es war ja nun längst nicht mein erstes Weihnachtsfest fern von der Heimat, aber wer schon einmal diese Zeit des Jahres ohne Familie verbracht hat, weiß was ich meine wenn ich sage: Es fühlt sich ein wenig an als wäre man 12 und würde zum ersten Mal alleine eine Jeans einkaufen gehen. Dieses belebende Gefühl der Freiheit resultierte in einer Poolparty mit einem Berg Essen und vielen lieben Menschen, die alle mehr oder weniger auch ohne Familie waren. Geschenke, Weihnachtslieder, Schokolade – alles war da. Nur eines fehlte: Die Weihnachtsstimmung. 

Cape Town hat rauschend in das neue Jahr gefeiert und geschätzt ein Monatsgehalt von Helen Zille verböllert. Nun ist Januar, das Stiefkind des Kalenderjahres – vergleichbar mit dem Urlaubsloch nach 3 Wochen in den französischen Alpen. Das Geld ist aus und die Party vorbei – wer jetzt noch Geld ausgibt, ist Ausländer, soviel ist gewiss. Auf meinem Heimweg von der Arbeit schleiche ich mich vorbei an stillen Supermärkten, geschlossenen Banken und – am erschreckendsten von allem: leeren KFCs. Der obligatorische Blick über die Schulter wird wieder etwas ernster genommen, im Laufschritt geht es an grauen Gestalten am Straßenrand und in Häuserwinkeln vorbei. Der Wocheneinkauf ist der Vernunft unterlegen und auf den Teller kommen Senfeier und Fischstäbchen mit Erbsen und Möhren – offiziell als günstige Ernährungsalternative, für mich aber insgeheim zugegenermaßen ein Stückchen Heimat :)
 
Zum Beginn dieses Jahres habe ich endlich mit einer Freundin zusammen ein eigenes Postfach. Wer mag, kann mir gern schreiben. Nur Schokolade hat sich in den letzten Wochen nicht gut gemacht und kam in der Konsistenz von dm-Gesichtsmasken an. Die Adresse findet Ihr links! 

Übrigens ist der 25. Januar Zahltag und ich finde, er sollte zweiter Nationalfeiertag werden. Ich werde berichten, welche Szenarien sich dann an den Banken abspielen – und natürlich auch bei KFC :)