“…at least I ask you nicely!”(„Wenigstens raube ich Dich
nicht aus, sondern bitte Dich freundlich!“) Diese zweifelhafte ethische
Selbstgefälligkeit, selbstbewusst vorgetragen von einem verschlafenen
Straßengangster, hat mich an einem verregneten Donnerstag Morgen nur genervt
und brachte mich nachher in ein neues Nachdenken über die immer wieder überraschenden
Phänomene der südafrikanischen Gesellschaft. Immerhin stimmt es, sein Kollege
am Vortag hatte es auf die unfreundliche Art versucht. Leider haben beide
unterschätzt, dass man sich nach über einem Jahr in Südafrika nicht mehr
einfach so ins Bockshorn jagen lässt.
Wütend gemacht hat mich dagegen ein offensichtlich in
Johannesburg ausgebildeter Kleinkrimineller, dessen Hand ich neulich in meiner
Tasche fand, auf der Suche nach meinem Handy – ausgerechnet! Bin ich doch gefühlt
die einzige im Land, die kein smartphone
besitzt. Leider hat dieser Genosse die Rechnung ohne meine Freundin und ihr
südafrikanisches Temperament gemacht und staunte nicht schlecht, als diese ihn
mit der Tasche verprügelte und zu meiner nicht gerade heimlichen Freude sehr
schöne, wenn auch nicht jugendfreie, Schimpwörter benutzte. Sie teilte ihm auf diesem Weg auch mit, dass es
gesellschaftlich anerkannter ist, für sein Geld zu arbeiten, anstatt es anderen
aus der Tasche zu ziehen. Die Passanten hatten für den Vorgang nicht mal einen
Blick übrig und drängten sich um unsere kleine Handgreiflichkeit herum.
„Erziehen statt Anzeigen“ scheint hier die eher übliche Art
zu sein, mit habgierigen Mitbürgern umzugehen. Als meine Freundin Lisiwe
neulich an der Supermarktkasse fast um ihr Portemonnaie erleichtert wurde,
ergriff sie simpel die Hand des Langfingers, schlug ihn auf die Handläche und sagte nur: „Du darfst nicht stehlen! Du darfst nicht stehlen“
Was bleibt von diesen Begegnungen ist leider der Eindruck,
dass es eigentlich immer eher die eigene Schuld ist, wenn einem die Wertsachen
abhanden kommen. Und die Überzeugung, dass Straßengangster in Cape Town nicht immer
Erfolg, dafür aber wenigstens Manieren haben!
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