Samstag, 29. September 2012

°At least I don‘t rob you…“

“…at least I ask you nicely!”(„Wenigstens raube ich Dich nicht aus, sondern bitte Dich freundlich!“) Diese zweifelhafte ethische Selbstgefälligkeit, selbstbewusst vorgetragen von einem verschlafenen Straßengangster, hat mich an einem verregneten Donnerstag Morgen nur genervt und brachte mich nachher in ein neues Nachdenken über die immer wieder überraschenden Phänomene der südafrikanischen Gesellschaft. Immerhin stimmt es, sein Kollege am Vortag hatte es auf die unfreundliche Art versucht. Leider haben beide unterschätzt, dass man sich nach über einem Jahr in Südafrika nicht mehr einfach so ins Bockshorn jagen lässt. 

Wütend gemacht hat mich dagegen ein offensichtlich in Johannesburg ausgebildeter Kleinkrimineller, dessen Hand ich neulich in meiner Tasche fand, auf der Suche nach meinem Handy – ausgerechnet! Bin ich doch gefühlt die einzige  im Land, die kein smartphone besitzt. Leider hat dieser Genosse die Rechnung ohne meine Freundin und ihr südafrikanisches Temperament gemacht und staunte nicht schlecht, als diese ihn mit der Tasche verprügelte und zu meiner nicht gerade heimlichen Freude sehr schöne, wenn auch nicht jugendfreie, Schimpwörter benutzte. Sie teilte ihm auf diesem Weg auch mit, dass es gesellschaftlich anerkannter ist, für sein Geld zu arbeiten, anstatt es anderen aus der Tasche zu ziehen. Die Passanten hatten für den Vorgang nicht mal einen Blick übrig und drängten sich um unsere kleine Handgreiflichkeit herum. 

„Erziehen statt Anzeigen“ scheint hier die eher übliche Art zu sein, mit habgierigen Mitbürgern umzugehen. Als meine Freundin Lisiwe neulich an der Supermarktkasse fast um ihr Portemonnaie erleichtert wurde, ergriff sie simpel die Hand des Langfingers, schlug ihn auf die Handläche und sagte nur: „Du darfst nicht stehlen! Du darfst nicht stehlen“ 

Was bleibt von diesen Begegnungen ist leider der Eindruck, dass es eigentlich immer eher die eigene Schuld ist, wenn einem die Wertsachen abhanden kommen. Und die Überzeugung, dass Straßengangster in Cape Town nicht immer Erfolg, dafür aber wenigstens Manieren haben!

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