Mittwoch, 27. Juni 2012

City of Wonders


Es war das Wochenende des großen vierjährigen Jubiläums – eine lange geplante und erwartete Feier, sozusagen die Party des Jahres bei Hillsong Cape Town. Bis letzten Freitag Abend einer meiner Freunde verschwand und nicht mehr auftauchte. Die Tatsachen, dass sein Handy tot war, er nach dem Kino nie zu Hause angekommen ist und sich bei niemandem meldete (ich füge hinzu: PLUS die Tatsache, dass dies Südafrika ist), ließen auf ein Verbrechen schließen.
Mondli ist in meinem 10 a.m. welcome-Team und leitet das welcome-Team um 5 p.m. Er gehört für mich zu den Personen, die den Sonntag für jeden, der ihm über den Weg läuft, zu einem besseren Tag machen – er ist die Fröhlichkeit in Person und einer dieser Menschen, die jeden kennen. Dass gerade er nun derjenige war, der am Samstag bei der Polizei vermisst gemeldet wurde, dessen Foto überall erschien und der mit Helikoptern überall gesucht wurde, war für uns alle unvorstellbar, absurd und in einem Wort ein Alptraum.
Der Sonntag war davon überschattet, aber erstaunlicherweise keinesfalls beeinträchtigt worden. Im Gegenteil, diejenigen von uns, die ihn kennen und Bescheid wussten, haben sich den ganzen Tag über immer wieder zusammengefunden, geredet, gebetet und gehofft. Es hat uns natürlich sehr getroffen, nicht zu wissen, ob ein Freund noch lebt oder schon irgendwo tot im Graben liegt. Wir konnten nicht glauben, dass er nicht jeden Moment mit seinem Grinsen reinmarschiert und mit seinem typischen „come on!“ alle zum Lachen bringen würde. Noch weniger aber wollten wir glauben, dass er nicht wieder heim kommt, und haben uns deshalb entschieden, mit noch größerer Willenskraft den Sonntag zu begehen.  Zwischen Entschlossenheit und Hoffnung – so könnte man es wohl nennen.
Dadurch ist nicht nur ein Zusammenhalt der besonderen Art gewachsen – ich war auch beindruckt, wie Hillsong sich des Falls angenommen hat und innerhalb von Stunden ein Team auf die Beine gestellt hat, das viele praktische Dinge in die Hand genommen hat. Wir sind dieses Wochenende noch mehr als sonst eine Familie gewesen. Als sich Montag herausstellte, dass er wohl entführt worden ist, wäre vielen von uns die Panik ausgebrochen, hätten wir nicht den Rückhalt von so einer großen Gemeinschaft gehabt.
Mondli und ich am Strand
Montag Abend kam dann die erlösende Nachricht: Mondli ist gefunden worden und lebt. Es geht ihm wohl nicht so gut, und er hat traumatische Erfahrungen hinter sich, aber er ist in Sicherheit. Mehr weiß im Moment niemand, er wird vor zu viel Aufmerksamkeit geschützt und muss sich natürlich erstmal erholen. Aber das Wunder ist geschehen: In einem Land, in dem Menschen für ein paar Schuhe umgebracht werden, ist ein Mensch nach 3 Tagen heimgekommen! Ich bin mir sicher, dass wir schon bald wieder sein „Come on!“ hören dürfen – und dass wir alle in Zukunft noch vorsichtiger unterwegs sind. Ja, ich stehe noch unter Schock, und Essen und Schlafen muss sich noch normalisieren. Aber dieses Jubliäum war unvergesslich! "A test that becomes a testimony"!
Nach diesem Wochenende ist mein Glaube an Wunder unendlich. Und meine Dankbarkeit für meine „Familie“ hier vor Ort auch. Vor allem aber mein Vertrauen in Gott.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen