Als ich 10 Jahre alt war und in
das Poesiebuch meiner Freundin unter die Frage „Was möchtest Du mal werden?“
die Antwort „glücklich“ schrieb, kam ich mir sehr erwachsen vor. Reif und reflektiert.
Nein, nicht Ärztin wollte ich werden, oder Popsängerin (wie egoistisch!), sondern
– wie bescheiden und doch tiefgründig – einfach nur glücklich.
Heute, 17 Jahre und einige
Erfahrungen später (davon haben die wenigsten mit Ärzten oder Popsängern zu
tun), wird mir diese Frage wieder gestellt. „Was ist Dein Traum?“ Der sichtlich
vom Leben gezeichnete Taxifahrer hat echt Nerven, nachts um 3
tiefenphilosophisch unterwegs zu sein.
Und doch stelle ich fest: Die
Frage lohnt sich. Und meine Antwort ist heute eine ganz andere als damals im
Kinderzimmer. Ich frage mich selbst: Habe ich überhaupt das Recht auf ein
glückliches Leben? Wer sagt mir eigentlich, dass ich es mehr verdient habe als
der Taxifahrer, der 24-Stunden-Schichten schiebt, danach mit 20 Euro nach Hause
geht und davon Frau und fünf Kinder ernähren muss?
Ist es nicht eher selbstsüchtig,
glücklich werden zu wollen in einer Welt um mich herum, in der die Menschen
nicht Zeit und Kraft für Luxusfragen wie die nach dem aktuellen Punktestand auf
der Skala des Wohlbefindens aufbringen können, weil sie zu viel mit dem reinen
Überleben zu tun haben?
„Was ist Dein Traum?“ Und ich
merkte: Meine Antwort hat sich verändert, weil die Menschen, die mir diese
Frage stellen, mein Gewissen herausfordern und die Maßstäbe, an denen ich den
Wert und die Qualität meines Lebens gern messe, ins Wanken bringen.
Ich realisierte außerdem: Glücklich sein
kommt nicht von Glück haben oder Glück fühlen. Es hat sowieso eigentlich recht
wenig mit Glück zu tun. Ich habe keinen Anspruch auf eine ständige Bestätigung
meiner inneren Freude, egal ob in Afrika oder Deutschland. Aber ich erhebe
Anspruch auf eine Zielgerichtetheit im Leben, einen Zweck, den es erfüllt, und
der weniger mit mir und mehr mit den Menschen um mich herum zu tun hat.
Glücklich sein? Vielleicht. Aber
nicht als Ziel, eher als Nebenwirkung. Das sagte ich auch dem Taxifahrer. Und
jetzt hätte ich gern das Poesiealbum noch einmal, bitte.
Ein wirkliche tiefgründig reflektierte Gedankenbeschreibung.
AntwortenLöschenIn diesem Sinne scheint das Erreichen des 'Glück's mit dem Verbreiten des Glücks auf Andere zu tun und des Glücklichmachens an sich.
Ja, bzw. geht es mir auch um das Übernehmen von Verantwortung für Menschen um uns herum und um das Verfolgen eines Ziels mit dem, was man tut (und dieses Ziel ist für mich eben nicht, glücklich zu sein). Und es stimmt, dass es in gewissem Sinne glücklich macht, für andere da zu sein.
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