„Es ist ja nicht so, dass dort alle und alles auf Dich warten!“ Kennst Du das, diesen Satz, der einen auf der Reise in einen neuen Lebensabschnitt begleitet? Das Wissen, dass man sich an dem neuen Ort erst einmal alles selber erarbeiten muss und vielleicht sogar erkämpfen. Gerade mit einem sozialen Beruf und Auftrag im Gepäck erliege ich schnell der Vorstellung, dass durch mich an meinem neuen Bestimmungsort alles besser wird, und verleugne den Fakt, dass bisher dort auch alles ohne mich sehr gut funktioniert hat. „Realistisch sein“ ist deshalb vorbeugend die Faustregel in meinem Handgepäck, „Kleine Brötchen backen“ meine Strategie für die ersten Monate in meinen neuen Heimat.
Ich glaube, das ist falsch.
Was, wenn überall, wo wir hingehen, etwas auf uns wartet? Jemand oder etwas – eine Aufgabe, ein Ort, eine Person, eine Situation? Was, wenn wir nur die Augen aufmachen müssen, um zu erkennen, dass das, wonach wir suchen und wofür wir kämpfen, schon längst da ist und von uns nur entdeckt werden muss?
Wir schließen vielleicht unsere Augen vor dem eigentlichen Neuen und warten lieber auf das Neue, was wir uns selber schaffen, eine selbst gestaltete Welt aus Beziehungen und Verpflichtungen, die wir selber wählen. Und darauf warten wir vielleicht sehr lange…
Was, wenn wir so das Beste verpassen?
Ich kam an das Ende der Welt und stelle nach 2 ½ Monaten fest: Ich hätte niemals NICHT kommen können. Ich entdecke: Es gab tatsächlich Dinge und Menschen, die auf mich gewartet haben – und ich auf sie. Ohne es zu wissen. Aufgaben, die vielleicht nur ich hier übernehmen kann. Dinge, nach denen ich hier nicht suchen musste, sondern die mir vor die Füße fallen, manchmal so ganz nebenbei.
Vielleicht braucht es manchmal nur den Schritt in „neues Land“, bevor ich entdecke, dass dort schon alles vorbereitet ist – denn so fühlt es sich an.
Und das ist es auch, nicht mehr als ein Gefühl, was aber für mich in Südafrika schnell zu einer Gewissheit wurde. Nie wieder werde ich sagen oder mir sagen lassen: Es ist nicht so, dass dort alle auf dich warten. Damit entmächtige ich mich schon vor Antritt der Reise. Kleine Brötchen können wir überall backen.
Ich glaube, dass überall jemand und etwas auf uns wartet. Es ist alles vorbereitet. Wir müssen nur da sein – vor allem jetzt. Wo ich in 6 Monaten bin, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass mich dann auf jeden Fall etwas erwartet.
Ist Lk 10,2 weit hergeholt? Das nimmt dem Ganzen vielleicht etwas Poesie. Aber Du sprichst ja durchaus von konkreter Realität. :)
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