Nummer 10 der Dinge in Suedafrika, die mir manchmal das Leben schwer machen, aber die einzige Tatsache, die ich nicht bereit bin, zu akzeptieren, ist der latente Rassismus, der inzwischen aber schon gar nicht mehr kaschiert werden muss.
Fakt ist: Alles, was man sagt und tut, ist ein politisches Statement. Mit wem ich tanze, wo ich wohne, welches Verkehrsmittel ich benutze, welche Sprache ich spreche, in welche Gemeinde ich gehe oder welche Musik ich hoere: Es verraet mehr als nur meinen Geschmack, es verraet meine Herkunft und Identitaet. Mein Tanzstil ist nicht gut oder schlecht, sondern weiss, meine Kleidung nicht schoen oder Geschmacksverirrung – ich bin weiss gekleidet. Der Busfahrer ignoriert Dich? Kein Wunder, er ist weiss und mag keine Coloureds. Ich kann mir nach einem fuenfminuetigen Gespraech nicht unbedingt vorstellen, den schwarzen Suedafrikaner mir gegenueber zu daten? Ich muss mir vorwerfen lassen, rassistisch zu sein und etwas gegen Schwarze zu haben.
Meine Gasteltern schlagen die Einladung zu unseren Nachbarn nicht aus Zeitgruenden aus, sondern aus Scheu vor der Gesellschaft von weissen Leuten (okay, ich bin weiss und wohne bei ihnen – aber ich zahle J). Sogar vor der Kirche machen solche Einstellungen nicht halt. Meine Freundin Dela musste erleben, wie der freundliche Farbige, der uns nach Hause fahren wollte, gar nicht mehr freundlich war, als sich herausstellte, dass Dela schwarz ist – er hat sie schlichtweg ignoriert.
So scheint die suedafrikanische Gesellschaft eine Brille zu tragen, die filtert: Sie filtert Anteile der Persoenlichkeit heraus, bis das Feindbild passt. Und ich merke, dass es gar nicht leicht ist, sich daraus herauszuhalten. Das Maedchen in der Schlange draengelt sich vor? Das macht sie extra, um mir eins auszuwischen, sie mag halt keine Weissen.
Ich koennte buchstaeblich stundenlang von den unglaublichsten Begebenheiten erzaehlen. Von Touristen, die nicht in Clubs gehen, in denen Schwarze sind. Von Restaurants in Stellenbosch, in die Schwarze keinen Zutritt haben. Zulus glauben, alle Xhosas seien faul, waehrend jeder Kongoloese weiss, dass Nigerianer die eigentlich Faulen sind. Oder von all den Gefaelligkeiten, die mir zuteil werden, weil ich zufaellig die beliebteste Hautfarbe habe. Mein Kollege Dumza und ich machen uns einen Spass daraus, in Khayelitsha die Strasse zu ueberqueren - getrennt. Die Autos stoppen fast immer fuer mich, aber niemals fuer ihn.
Das alles ist kein Geheimnis und auch nichts neues fuer jemanden, der in Suedafrika gelebt hat. Jeder ist sich dessen bewusst und versucht es in den Alltag zu integrieren.
Ich wuenschte, wir waeren alle nur fuer einen Tag farbenblind. Wie saehe das Leben hier aus? Wohin wuerden wir uns wagen? Wen wuerden wir gruessen, wen vielleicht auch einfach nicht mehr?
Es ist von aussen schwer zu begreifen, was in diesem Land passiert. Man kann es vielleicht nur verstehen, wenn man Teil der Gesellschaft ist und die systematische Rassentrennung zu Zeiten der Apartheid erlebt hat. Es macht mich nicht nur nachdenklich, sondern auch traurig, und einmal mehr habe ich das Gefuehl, meine Heimat Deutschland mit anderen Augen zu sehen.
Die Nigerianer SIND die eigentlich Faulen!!
AntwortenLöschen- alle Kenianer :D
Das ist unglaublich. Ich weiss ja, dass es so ist, aber es scheint einfach keine Lösung zu geben, um über dieses Problem hinwegzukommen...ich hoffe so sehr, dass es nicht eines Tages eskaliert. Man muss ja an einen friedlichen Weg glauben (wenn nicht wir, wer dann?), aber es fällt schwer.
Ganz liebe Grüsse und halt weiter den Kopf hoch!