Montag, 6. Februar 2012

Freiwillig

Vor einer Woche hatten wir von Real Youth International das Privileg, 160 junge Freiwillige aus den USA durch Khayelitsha zu fuehren und ihnen einen Teil unserer Arbeit und des Townships zu zeigen. Tatsaechlich landen monatlich hunderte junge Menschen aus der ganzen Welt in Cape Town, um hier fuer einige Woche oder Monate soziales Engagement zu leisten. Was fuer eine Aufgabe, sie an die Situation in den Townships heranzufuehren und sie sinnvoll zu begleiten! Wenn man hier lebt, vergisst man beinahe die Fragen, die man selbst am Anfang hatte: Wie gefaehrlich ist es hier in Khayelitsha – kann ich hier alleine herumlaufen? Woher bekommen die Menschen, die hier leben, ihre medizinische Versorgung? Warum reden immer alle von Blacks und Coloureds – das ist doch bei uns das Gleiche!? Umso mehr Spass macht es nun, eigene Erfahrungen mit ihnen zu teilen und ihr Bild von Suedafrika ein wenig mitpraegen zu koennen!
Ich bin begeistert von der Herausforderung, diesen Menschen zeigen zu koennen, dass ein Township nicht unbedingt ein gefaehrlicher Ort sein muss, in dem die Bewohner hungern. Es macht Spass, eine Seite von Khayelitsha mit anderen zu teilen, die viele nicht erwarten: Dass es naemlich als groesstes einzelnes Township Suedafrikas sehr wohl Lebensqualitaet hat und nicht ueberall nur Kriminalitaet vorherrscht. Die Arbeitslosenquote mag bei 70 Prozent liegen, und die Huetten, in denen ein Grossteil der Bewohner lebt, entsprechen natuerlich nicht unbedingt unserer Vorstellung von einem menschenwuerdigen Leben. In der Tat fuehle ich mich in Khayelitsha aber um einiges sicherer als in der Innenstadt von Cape Town oder in vielen Vororten und habe hier noch nie schlechte Erfahrungen gemacht.
Die Taxifahrten mit den Minibussen in das Township gehoeren zu meinen Lieblingsaktivitaeten; ich bin der Meinung, dass auf dieser Strecke von allen Distanzen, die ich waehrend der Woche in Minibussen zuruecklege, die lustigsten Menschen sitzen. So komme ich immer mal wieder zu einer kostenlose Xhosa-Lektion (eine der 11 Nationalsprachen Suedafrikas, die ich gerade lerne). Auch Einladungen nach Hause oder einfach tolle Gespraeche bereichern die manchmal sehr lange und abenteuerliche Fahrt in das Township. Und neulich im Taxi sass ich neben einer (anscheinend sehr beruehmten) schweizer Popsaengerin, die gerade ein Album in Khayelitsha aufnimmt und einen Kinderchor aus dem Township als Background-Chor einsetzt.
Das Leben in den Townships ist sicher nicht leicht, aber es ist auch kein Anlass fuer Mitleid oder Warnungen. Khayelitsha ist Lebensraum fuer 1,6 Millionen Suedafrikaner, die keinen Ort der Welt gegen ihr zu Hause eintauschen wuerden. Es ist ein Privileg, Gast in dieser Welt sein zu duerfen und an ihrem Leben Anteil haben zu duerfen. Ich hoffe, dass es uns von RYI gelingt, diese Botschaft an die Freiwilligen weiterzugeben und unsere Arbeit einladend zu gestalten.

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