Südafrika, die Rainbow-Nation, verklärt von wohlhabenden Rentnern, bestaunt von abenteuerlustigen Travellern, gefürchtet von weißen Einheimischen, die dies ihr zu Hause und doch nicht ihre Heimat nennen, angepriesen von Reiseunternehmen, stolz präsentiertes Vorzeigemodell von Entwicklungshilfeprogrammen – was weiß man eigentlich über dieses Land, außer dass es schwindelerregende Kriminalitätsraten und eine zweifelhafte historische Vergangenheit vorzuweisen hat?
Die Regenbogennation am Kap der Guten Hoffnung besteht aus vielen Schichten. Sie mögen nach außen einen einnehmenden, faszinierend exotischen Mix der Kulturen ergeben, die zahlreichen unterschiedlichen ethnischen Gruppen. Es ist sehr leicht, dieses Land zu lieben und wegen seiner Naturschönheit und unglaublichen Menschen ins Herz zu schließen.
Doch wagt man auf der Reise durch dieses Land einen ernsthaften Blick hinter die Fassade der Gesellschaft, erwartet einen eine Wahrheit, die die Safari- und FlipFlop-Idylle gehörig trübt.
Ich spreche aus eigener Erfahrung, wenn ich sage: Seit ich (wieder) in Südafrika bin, frage ich mich jeden Tag: Was ist eigentlich los in diesem Land, warum zeigt es mir eine derart boshafte, gnadenlose Seite von sich, sobald ich mich außerhalb der touristischen comfort zone aufhalte? Der offene Rassismus, der mir in weißen Clubs, farbigen Townships und schwarzen Shoppingmalls begegnet, scheint alles, was Nelson Mandelas Generation an idealistischem Gut in die Menschen eingepflanzt hat, zu verleugnen. Es ist, als ob jede alltägliche Begebenheit im Hintergrund auf folgenden Fragen basiert: Welche Hautfarbe hast Du? Welche habe ich? Was machst Du hier, in meinem Wohngebiet? Und was kann ich tun, um Dich an Deine Grenzen zu erinnern? Der motivierten, offenen Einstellung, die junge Menschen mit in dieses Land bringen, wird mit unverhohlenem Hass oder verbittertem Zynismus begegnet. Gemischte Paare berichten von verbalen Attacken in der Innenstadt von Cape Town, Weiße reden über ihre schwarzen Mitbürger nur als „die da“ (es gibt ganz klar ein „wir“ und ein „sie“), und auch die Coloured Community, die Mischlinge, deuten misstrauisch in beide Richtungen – schwarz und weiß – und beantwortet die Situation mit Gewalt und erbitterten Rivalitäten.
Aufmerksame Besucher können dieses Dilemma bereits vom Tafelberg aus geografisch erspähen. Zu Ihrer Linken: schöne Strände, sichere Vororte, Geld und Privatschulen. Zu Ihrer Rechten, ja, genau, irgendwo da hinten: Baracken, Terror, Drogen, Aids und Schulen, die eher an ein Gefängnis erinnern.
Es wird Zeit sich der Frage zu stellen, was aus der Regenbogennation werden soll. Was für ein Volk soll am Ende des Regenbogens stehen? Wer wird es regieren? Welche gesellschaftlichen Herausforderungen wird es gemeistert haben? An welchen ist es gescheitert?
Denn eines ist sicher: Der Regenbogen wird ein Ende haben. Ich spüre es, wenn ich mit Menschen rede, wenn ich sie in ihren Häusern besuche, ihr Essen esse und ihre Feste feiere. Ich merke es, wenn ich ihre Taxis benutze, ihr Geld in ihre Hand zähle oder ihre Kirchen besuche. Der Frieden ist auf dünnem Boden gebaut. Mandelas Versöhnungspolitik mag halten, solange seine lebendige Präsenz da ist. Aber eines Tages werden die kritischen Blicke die Überhand nehmen, fürchte ich, wenn nicht das, was nach außen gewollt ist, auch nach innen umgesetzt wird.
Ich wünsche mir und jedem Bürger dieses Landes, dass er seinen Beitrag dazu leisten kann, um den Frieden zu schaffen, den Südafrika verdient hat. Das unglaubliche Potential, das in den Menschen und den Strukturen liegt, soll nicht an vererbten Vorurteilen zu Grunde gehen. Die Hoffnung am Kap ist trotz allem eine gute.
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