Mittwoch, 9. Mai 2012

Vom müssen und wollen


Es ist an der Zeit, Euch auf den neuesten Stand über die Dinge hier am Kap zu bringen. Viel war los in letzter Zeit, und einige von Euch haben schon nachgefragt, wie es weitergeht  - hier die Auflösung:
Vor ca. einer Woche wurde ich mir der Tatsache, dass mein Visum Ende Mai ausläuft und ein Gehalt von Seiten der NGO leider so bald nicht realistisch ist, zum ersten Mal so richtig bewusst (die afrikanische Mentalität ist in Sachen Entspanntheit und Sorgenfreiheit schockierend ansteckend).
Mir blieben kurz gesagt nicht viele Optionen: das Einzige, was mir jetzt half, war ein bezahlter, legaler Vollzeitjob – die Südafrikaner lassen da mit sich wenig spaßen. (Sie erwiesen sich zwar im Bezug auf eine Scheinehe als überaus hilfsbereit, aber es kam mir dann doch absurd vor, einen legalen Status durch einen illegalen Vorgang zu erstreben… Ihr wisst, was ich meine.)
Wer mich kennt, nennt es vielleicht das „Glück der Dummen“, wer Afrika kennt, wird sich gar nicht wundern – ich nenne es einfach mal eine „Begegnung der  besonderen Art“: Letztes Wochenende lernte ich Jenny kennen, die ganz eindeutig zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle war und mir als professionelle Jobvermittlerin mit Rat und Tat zur Seite stand. Da sie selbst Deutsche ist und ähnliche Erfahrungen wie ich hinter sich hat, war es gut und wichtig, ihre (anfangs ernüchternde, später) hilfreiche Auswanderungs-Geschichte zu hören.
Um es kurz zu machen: Innerhalb von 2 Tagen hatte ich mich bei Jennys Agentur vorgestellt, ein Assessment-Center bei American Airlines erfolgreich durchlaufen und einen unbefristeten Vertrag für das erste fünfstellige Monatsgehalt meines Lebens unterschrieben... Ok, es ist gerade so fünfstellig. Und es ist in südafrikanischen Rand. Aber das ist immer noch fünfstellig mal mehr als ich in den letzten Monaten bekamJ  
Um gleich auf diese Frage zu antworten: Mein neuer Arbeitgeber American Airlines weiß sehr wohl, dass jungen Menschen in Cape Town nicht mit Sonderpreisen für alle AA-Flüge geholfen ist. Wer hier ist, möchte eigentlich grundsätzlich hier bleiben. Darum bieten sie statt Sondertarifen ihren Mitarbeitern die Übernahme der gesamten Visumskosten und die Abwicklung des Immigrationsprozesses ab... noch Fragen!?
Das Besondere an der ganzen Geschichte ist, dass man normalerweise unter allen Umständen zuerst zurück nach Deutschland fliegen muss, um von dort das Arbeitsvisum zu beantragen. Nach Jennys Aussage hat sie noch niemals erlebt, dass es anders gelaufen ist. Mir wurde nach dem Interview nur die Frage gestellt, ob ich am Montag anfangen könnte…?! Heute war mein Termin mit der Immigrationsbehörde. Das Timing ist so lächerlich perfekt, dass es hier noch keiner glauben kann.
Nach dem Training werde ich im Service Centre von AA arbeiten und v.a. im Callcenter sein.
Da wurde mir alles auf dem Silbertablett präsentiert, worauf ich vorher nicht mal gehofft hatte – und doch alles, wofür ich NICHT hergekommen bin. Es fällt mir selbst schwer, das zu erklären – ich hoffe, es macht für Euch Sinn. Ich bin immer noch hier, um in meinem Beruf, der Sozialen Arbeit, zu arbeiten, und sehe die neusten Entwicklungen als eine notwendige (und sicherlich sehr lehrreiche!) Phase. Ich plane fest, die Arbeit von Real Youth International nebenher weiterzuführen, und fühle mich ihr nach wie vor verpflichtet. Ich werde weiterhin aus Khayelitsha berichten und versuchen, Euch auch an dem drastischen Wechsel meines Arbeitsplatzes (vom Township zur Waterfront) teilhaben zu lassen.
Das alles kommt für Euch genau so überraschend wie für mich. Nach den ersten Trainingstagen schwirrt mir heute Abend der Kopf von den ganzen Airport-Codes, die ich zu lernen habe. Doch: „Was muss, das muss! Man muss nur wollen!“. Hab ich ja immer schon gesagt.

1 Kommentar:

  1. Herzlichen Glückwunsch zu diesem neuen Schritt
    möge Gottes Hand dich stets leiten egal wo hin du gehen magst.
    Und er hat das beste für dich. Vertrau dich ihm an udn er macht es, so heißt es udn so geschah es :)
    das ist doch mal posetiv :) er will dich dort haben :)
    mit allen Konsequenten will er dir helfen :)
    das finde ich sehr ermutigend.
    Ganz viel Kraft dir und Mut weiter voran zu gehen.

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