Freitag, 25. Mai 2012

Kerzenschein und "Gluhwein"duft

Am Kap hält der Winter Einzug. Man sollte meinen, die Südafrikaner (besonders die Capetonians!) seien an Temperaturen unter 20 Grad gewöhnt und könnten Regen wegstecken. Doch seit ich immer öfter morgens vom Rauschen des Regens aufwache und einsehe, dass ich meine Ballerinas nun doch gegen Stiefel tauschen muss, haben meine lieben Mitmenschen hier einen sehr verstörten Gesichtsausdruck. Regen scheint nicht ein Teil der Normalität zu sein – nein, wenn es regnet, steht in Cape Town die Welt still.
Nicht nur, dass die Anzahl der Minibus-Taxis umgekehrt proportional zur Niederschlagsmenge pro Quadratmeter abnimmt – ich bekomme besorgte SMS, ich solle mich ja nicht aus dem Haus bewegen, kein Taxi nehmen, das Treffen sei abgesagt, denn „es regnet“. Die Pastoren der Hillsong Church haben es sich anscheinend zu persönlichen Mission gemacht, ihre Predigten mit aufmunternden Worten über das Wetter (oder Rugby – je nach Spielstand der Stormers) zu spicken – sie kommen ja auch aus Australien, und ich habe das Gefühl, sie predigen in den Momenten am meisten sich selbst…
Auch der Tafelberg hält sich bedeckt und ist an manchen Tagen gar nicht zu sehen – man blickt in ein graues Nichts. Gerüchte halten sich, dass er es vorzieht, in Kenya zu überwintern… Ob die Touristen, die immer noch die Stadt fluten, deshalb wohl einen Discount kriegen?
Heute morgen kam ich so ganz ohne Vorwarnung richtig in Weihnachtsstimmung, als ich auf dem Weg zur Arbeit realisierte, dass in den Straßenständen Kerzen brennen und ein beschauliches Licht auf die Chipstüten, Avocados und Babybananas werfen…
Und im festen Glauben, zum letzten Mal für lange Zeit in den Genuss zu kommen, hatte ich mich im Dezember vor meinem Abflug noch einmal wild entschlossen in das deutsche Weihnachtsmarktgetümmel gestürzt – nur um hier zu entdecken, dass „Gluhwein“ zur Freude der lokalen Deutschen und Faszination der Südafrikaner in der Winterzeit auch in Afrika getrunken wird!
Wenn es stimmt, dass sich in Cape Town im Winter die Spreu vom Weizen trennt, dann bin ich entschlossen, diese Probe zu bestehen.  In der Zwischenzeit gibt es zwischen Weihnachtsstimmung und Regenpfützen allerhand zu tun und zu feiern – so geht meine Tätigkeit bei American Airlines in den zweiten Monat, und ich spreche inzwischen mehr oder weniger fließend „airline“.
Nebenbei engagiere ich mich bei Hillsong in der Kids Church und im welcome Team und hoffe, dass trotz der sehr zeitaufwändigen Beschäftigung bei AA noch ein wenig Zeit für Real Youth International in Khayelitsha bleibt.
Welche Hütte soll ich nehmen??? @Khayelitsha
Außerdem gilt es, mein Suppen-Kochen zu perfektionieren (ernährungstechnisch hier der Schlüssel zum erfolgreichen Überwintern), endlich Afrikaans zu lernen und umzuziehen (s. oben...) – dazu nächstes mal mehr auf meinem Blog!

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