Am Kap hält der Winter Einzug. Man sollte meinen, die
Südafrikaner (besonders die Capetonians!) seien an Temperaturen unter 20 Grad
gewöhnt und könnten Regen wegstecken. Doch seit ich immer öfter morgens vom
Rauschen des Regens aufwache und einsehe, dass ich meine Ballerinas nun doch
gegen Stiefel tauschen muss, haben meine lieben Mitmenschen hier einen sehr
verstörten Gesichtsausdruck. Regen scheint nicht ein Teil der Normalität zu
sein – nein, wenn es regnet, steht in Cape Town die Welt still.
Nicht nur, dass die Anzahl der Minibus-Taxis umgekehrt proportional
zur Niederschlagsmenge pro Quadratmeter abnimmt – ich bekomme besorgte SMS, ich
solle mich ja nicht aus dem Haus bewegen, kein Taxi nehmen, das Treffen sei
abgesagt, denn „es regnet“. Die Pastoren der Hillsong Church haben es sich
anscheinend zu persönlichen Mission gemacht, ihre Predigten mit aufmunternden
Worten über das Wetter (oder Rugby – je nach Spielstand der Stormers) zu
spicken – sie kommen ja auch aus Australien, und ich habe das Gefühl, sie
predigen in den Momenten am meisten sich selbst…
Auch der Tafelberg hält sich bedeckt und ist an manchen
Tagen gar nicht zu sehen – man blickt in ein graues Nichts. Gerüchte halten
sich, dass er es vorzieht, in Kenya zu überwintern… Ob die Touristen, die immer
noch die Stadt fluten, deshalb wohl einen Discount kriegen?
Heute morgen kam ich so ganz ohne Vorwarnung richtig in
Weihnachtsstimmung, als ich auf dem Weg zur Arbeit realisierte, dass in den Straßenständen
Kerzen brennen und ein beschauliches Licht auf die Chipstüten, Avocados und Babybananas
werfen…
Und im festen Glauben, zum letzten Mal für lange Zeit in den
Genuss zu kommen, hatte ich mich im Dezember vor meinem Abflug noch einmal wild
entschlossen in das deutsche Weihnachtsmarktgetümmel gestürzt – nur um hier zu
entdecken, dass „Gluhwein“ zur Freude der lokalen Deutschen und Faszination der
Südafrikaner in der Winterzeit auch in Afrika getrunken wird!
Wenn es stimmt, dass sich in Cape Town im Winter die Spreu
vom Weizen trennt, dann bin ich entschlossen, diese Probe zu bestehen. In der Zwischenzeit gibt es zwischen
Weihnachtsstimmung und Regenpfützen allerhand zu tun und zu feiern – so geht
meine Tätigkeit bei American Airlines in den zweiten Monat, und ich spreche
inzwischen mehr oder weniger fließend „airline“.
Nebenbei engagiere ich mich bei Hillsong in der Kids Church
und im welcome Team und hoffe, dass trotz der sehr zeitaufwändigen
Beschäftigung bei AA noch ein wenig Zeit für Real Youth International in
Khayelitsha bleibt.
| Welche Hütte soll ich nehmen??? @Khayelitsha |
Außerdem gilt es, mein Suppen-Kochen zu perfektionieren
(ernährungstechnisch hier der Schlüssel zum erfolgreichen Überwintern), endlich
Afrikaans zu lernen und umzuziehen (s. oben...) – dazu nächstes mal mehr auf meinem Blog!
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